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Was ist Lyrik?

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Der Brockhaus meint zum Thema Lyrik folgendes:

Gattung der Literatur, neben Epik und Dramatik.
L. wird häufig im Sinne eines autonomen Sprachkunstwerks als die reinste Form von Dichtung aufgefasst.
Stilmittel sind Rhythmus und Reim, Sprachklang, bildhafter Ausdruck.
Formen: Lied, Hymne, Ode, Elegie, Sonett u. a.

Das ist jetzt natürlich alles sehr theoretisch!

Eine deutlich schönere Definition findet man in Conradys "Großem deutschen Gedichtbuch" (in der zweiten revidierten Auflage von 1993):

Zur Lyrik gehören alle Gedichte, und Gedichte sind sprachliche Äußerungen in einer speziellen Schreibweise.
Sie unterscheiden sich durch die besondere Anordnung der Schriftzeichen von anderen Schreibweisen, und zwar durch die Abteilung der Verse, wofür bei der "visuellen Poesie" die Bildgestaltung mit den Mitteln des (nicht immer nur) sprachlichen Materials und der Schrift eintritt.
Der Reim ist für die Lyrik kein entscheidendes Merkmal.
... Der Autor entscheidet durch seine Wahl der Anordnung des Textes, ob er ihn als "Gedicht", als "Lyrik" ansieht und angesehen haben will.

Tatsächlich aber, ist die Lyrik einer stetigen Wandlung unterlegen - von Epoche zu Epoche:

Der Ursprung der Lyrik liegt in der griechischen Antike.
Dabei wurden lyrische Gedichte gesungen oder vorgetragen und dabei auf der Leier (Lyra) begleitet.

Auch die alten Kulturen Chinas, Indiens und Japans brachten lyrische Dichtungen hervor.
Von deren traditionellen Formen ist heute nur noch das japanische Haiku geläufig.

Im 16. Jahrhundert entstanden in Italien die ersten noch heute „modern” wirkenden Sprachexperimente.

Die ersten wirklich bedeutenden deutschen Lyriker, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller, treten um 1800 in Erscheinung, vor allem mit neuen Formen der Ballade und der Erlebnislyrik, die dann in der Romantik weiterentwickelt wird (Novalis, Eichendorff).

Erst im 20. Jahrhundert entwickelte die Lyrik ihre heute gewohnte Formenfreiheit und -vielfalt.
Zwar werden die herkömmlichen Gestaltungsmittel wie Rhythmus, Vers und Metrum weiterhin eingesetzt, unterliegen aber nicht mehr verbindlichen Regeln.
Stattdessen traten Metaphorik und Musikalität des Gedichts in unterschiedlichen individuellen Ausprägungen in den Vordergrund.

 
Ivonne Straub (Vonni) 2000 - 2008 © www.lyrikecke.de © www.wegzumbuch.de

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